SCHIRMHERRSCHAFT: LANDRAT PETER DOMBROWSKI
"Die Natur wird nie den Menschen folgen sondern die Menschen haben die Gesetze der Natur zu befolgen."
J.W. Goethe
Von Irene Moser
Zu den Verfahren der Naturheilkunde zählen die Methoden zur Vorbeugung und Behandlung von Erkrankungen, welche auf künstlich hergestellte Mittel verzichtet und sich der Natur entspringender Wirkfaktoren bedient und natürliche Umweltreize und unveränderte Heilmittel nutzt.
Zu den Hauptvertretern der Naturheilkunde zählen:
- Hippokrates (460-370 v.Chr.), berühmtester Arzt der Antike, der als Vater der Naturmedizin angesehen wird. Mit der Idee der Präventivmedizin, die in den Werken Heilkuren und Heilkuren bei akuten Krankheiten geschrieben wurde, betont er nicht nur die wichtige Rolle der Ernährung für Gesundheit und Genesung, sondern stellt er auch die zentrale Bedeutung der Lebensweise heraus.
- Hildegard von Bingen (1098-1179), Äbtissin, deutsche Dichterin, Komponistin, Benediktinerin, bedeutendste Mystikerin des Mittelalters. Sie verfasste mit Causae et Curae (Ursachen und Wirkungen) eine Abhandlung über kranke Menschen. Auch ihre weiteren naturkundlichen Werke wie Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum, die in den letzten Jahren immer wieder aufgelegt wurden, zählen zu den Standardwerken der Naturheilkunde. In der Hildegard-Medizin stehen als therapeutische Mittel Pflanzen und Edelsteine im Vordergrund.Die Gesundheitslehre der Äbtissin Hildegard von Bingen erlebte in den letzten Jahren vor allem auch im anglo-amerikanischen Raum eine Renaissance. Eine wachsende Zahl von Menschen sucht im Werk von Hildegard Orientierung und Rat.
- Paracelsus, Philippus Aureolus, eigentlich Philippus Aureolus Theophrast Bombast von Hohenheim, (1493-1541). Seine Schriften trugen zu einer Revolte gegen die alten medizinischen Glaubenssätzeund zur Freiheit im medizinischen Denken bei und ermöglichten der Medizin einen wissenschaftlicheren Weg einzuschlagen. Eine Reihe seiner Heilmittel basierten auf der Annahme, Gleiches könne durch Gleiches geheilt werden, was die spätere Sicht der Homöopathie vorweg nahm.
- Mesmer, Franz Friedrich Anton (1734-1815), wurde als deutscher Arztbekannt für seine Heilverfahren, den Mesmerismus, bei den die Patienten in einen tranceähnlichen Zustand versetzt werden. Seine Methode wurde zu seinen Lebzeiten von Ärzten und Wissenschaftlern als unwissenschaftlich bezeichnet. Heute ist er vollstens rehabilitiert und er gilt als Pionier der Hypnose, die als Heilmethode bei bestimmten Erkrankungen anerkannt ist.
- Hahnemann, Christian Friedrich Samuel (1755-1843), deutscher Arzt und Begründer der Homöopathie. Hahnemann verstand die Krankheit als ein durch schädliche Reize verursachtes ganzheitliches Phänomen des Körpers. Durch seine Therapie wurden Medikamente in extrem verdünnter Form bzw. in niedriger Dosierung verschrieben. Durch sein Simileprinzip „Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt“ sollte die „Lebenskraft“ und die Abwehrkräfte gesteigert werden. Damit wandte sich Hahnemann gegen die Allopathie, d.h. gegen die verstärkte Einnahme von Substanzen, die unmittelbar gegen Symptome gerichtet sind. Seit 1807 wird diese medikamentöse Behandlungsmethode „Homöopathie“ genannt.
- Schüßler, Heinrich (1821-1898), der deutsche Biochemiker war zunächst 15 Jahre ein Vorkämpfer für die Homöopathie. Fundament seiner Heilweise bildet der Satz „Die Krankheit des Körpers ist gleich die Krankheit der Zelle.“ und „Die Krankheit der Zellen entsteht durch den Verlust an anorganischen Salzen“. Schüßler wählte zwölf Mineralsalze aus, auf deren therapeutischen Verwendung er sein Heilsystem mit biologischer Wirkung aufbaute. Eine Eingliederung seiner Heilweise unter die Homöopathie lehnte er ab, denn sein Heilverfahren gründet sich nicht nach dem Ähnlichkeitsprinzip, sondern auf physiologisch-chemische Vorgänge, welche sich im Körper vollziehen. Denn ein Mittel, welches den Mineralstoffen des Körpers homogen ist und dessen Anwendung sich auf die physiologische Chemie gründet ist ein biochemisches.
- Aschner, Bernhard (1883-1960), einer der Hauptvertreter der Naturheilkunde des 20. Jahrhunderts. Sein besonderer Verdienst ist die Vereinigung von den beiden Aspekten der Medizin, wie dem „schulmedizinischen“ als auch den empirischen in einer pragmatischen Haltung, die sich nur am Heilerfolg des Patienten orientiert. Neben der Synthese von der damaligen Schulmedizin und der Naturheilkunde, fügte er als Ergänzung die Konstitutionstherapie hinzu, das die personotropen Gesichtspunkte der Medizin in den Vordergrund stellt. Sein Werk enthält wertvolle phytotherapeutische Rezepturen und zählt zu den Klassikern der medizinischen Fachliteratur.
- Kollath, Werner, Prof., (1892-1970), deutscher Bakteriologe auf den die Lehre von der Vollwerternährung u.a. zurück geht. Zum zentralen Aspekt eines Lebensmittels wird der biologische Wert, ganz im Gegensatz zum reinen Nährwert gesehen, der aus einer Kalorientabelle zu entnehmen ist. Als Lebensmittel werden naturbelassene, frische Lebensmittel wie Getreide, Obst, Gemüse, Eier, Milch etc. eingestuft, während erhitzte, konservierte und stark veränderte Produkte als Nahrungsmittel genannt werden. Die Vollwertkost dient einer bewussten, gesunderhaltenden Ernährung, der im Zeitalter von Fastfood und Vollkonserven einen wichtigen Stellenwert zukommt.
Zu den Verfahren der Naturheilkunde zählen die Therapien mit
Ernährung
Heilpflanzen
Bewegung
Ruhe
Positiven seelischen Impulsen
Wasser
Wärme
Kälte
Licht
Luft.
Allen Naturheilverfahren ist gemeinsam, dass sie von einer ganzheitlichen Betrachtung des Menschen ausgehen. Körper, Seele und Geist werden in einer engen Beziehung und Wechselwirkung gesehen. Der Mensch ist kein isoliertes Wesen, sondern ist in seiner Stellung in der Umwelt und deren Wirkungen zu beachten.
Es geht nicht um die Behandlung von Symptomen, sondern Krankheiten werden als ganzheitliches Phänomen gesehen und der Körper soll durch natürliche Mittel in seinen eigenen Heil- und Regenerationsfähigkeiten unterstützt werden.
Durch gezielte Anwendung und Dosierung dieser Faktoren, nach einer gründlichen Anamnese, können die Selbstheilungskräfte wie z.B. das Immunsystem stimuliert werden und der Körper kann Krankheiten besser wiederstehen und bereits bestehende Erkrankungen können gelindert oder sogar geheilt werden
Die Naturheilverfahren führen durch die Regulation und Stimulation sowie der Schonung zu einer Revitalisierung des gesamten Organismus und der Patient wird wieder an die natürlichen Lebens- und Umweltbedingungen herangeführt.
Im Laufe des technologischen Fortschritts hat sich der heutige Mensch immer weiter von der Natur entfernt.
Die sogenannten Zivilisationskrankheiten resultieren aus der nicht mehr bestehenden ursprünglichen Umwelt und den dadurch geschwächten Selbstheilungs- und Regulationskräften.
Zu den Hauptmethoden der Naturheilkunde zählen u.a.:
Homöopathie
Die Homöopathie geht davon aus, dass sehr kleine Mengen eines Arzneimittels die Vitalität steigern und die Abwehrkräfte fördern. Als Medikamente werden Pflanzenextrakte, tierische Substanzen, Mineralien, Metalle und chemische Verbindungen eingesetzt. Homöopathische Arzneien werden in Form von Tropfen, Tabletten, Injektionen und Globuli (Kügelchen auf Milchzuckerbasis) verabreicht. Durch Potenzierung werden die Wirkstoffe verdünnt.
Von Kritikern der Homöopathie wird eingewandt, dass die Wirkstoffe häufig so weit verdünnt werden, dass in der entsprechenden Arznei kein einziges Molekül des Wirkstoffes mehr enthalten ist. Homöopathen halten diesem Einwand entgegen, dass durch das sogenannte Verschütteln bei der Zubereitung komme es zu chemisch-physikalischen Veränderungen des Lösungsmittels, wodurch sich die Wirksamkeit des Arzneimittels entfaltet. Bei dieser Art der Herstellung übernimmt das Lösungsmittel eine für die Heilwirkung wichtige Information aus dem Wirkstoff.
Von entscheidendem Vorteil ist die Tatsache, dass die homöopathischen Arzneimittel bei richtiger Anwendung absolut frei von Nebenwirkungen sind.
Heilfasten
Durch diese klassische Heilmethode werden viele chronische Krankheiten radikal d.h. an der Wurzel bekämpft und fast immer gelindert oder sogar völlig geheilt, wie z.B. Gicht, Alters-Zuckerkrankheit, Gelenk- und Weichteilrheumatismus, Hautkrankheiten, Migräne, tw. Arthrose.
Schon seit der Antike wird diese Methode bei gewöhnlich nur schwer zu therapierenden Krankheiten erfolgreich eingesetzt.
Gerade in der heutigen Zeit mit der immer weiter fortschreitenden Spezialisierung der Medizin wird die ganzheitliche Betrachtungsweise immer aktueller.
Im Fasten wird der ganze Mensch erfasst in seinem Körper, seiner Seele und seinem Geist.
Fasten dient
- neben der erfolgreichen Bekämpfung vieler Krankheiten auch
- der Regeneration und körperlichen Reinigung und
- der Bewusstwerdung sowie der Selbstfindung.
Ernährungstherapie "Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein, und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein.“ Paracelsus
In der Bundesrepublik ist etwa jeder Dritte übergewichtig, was die Entstehung von Herz- und Kreislauferkrankungen begünstigt, den Bewegungsapparat belastet und andere Krankheiten verursachen kann.
Für unsere Lebensweise und Ernährung sind wir selbst verantwortlich. Für jeden ist es wichtig, sich dieser Selbstverantwortung bewusst zu werden und sich dies als persönliche Aufgabe zu stellen.
Die Vollwerternährung bevorzugt
- pflanzliche Lebensmittel als Hauptanteil, was auch etwa zur Hälfte aus unerhitzter Frischkost bestehen soll.
- Ein wichtiger Punkt der Vollwerternährung besteht Nahrungsmittel saisonal und ohne lange Transportwege aus ökologisch kontrollierten Anbau zu verwenden, wie sie von der heimischen Produktion angeboten werden.
- Produkte von Lebensmitteltechnologien wie Food-Design, Lebensmittelbestrahlung und Gentechnologie sollten gemieden werden.
Hildegard-Medizin
Zu den Hildegard-Heilverfahren zählen: Ernährungstherapie,Ordnungstherapie, Aderlaß, Heilfasten und Edelsteinkunde. Hildegard von Bingen gab in ihren Standardwerken der Naturheilkunde detaillierte Informationen über die Ursachen der Krankheiten und deren optimalen Behandlung, in denen sie das Wissen ihrer Zeit zusammenfasste und weiter entwickelte. Jahrhundertlang galt dieses Wissen als verschollen und wird heute im anglo-amerikanischen Raum wieder neu entdeckt. Zu den Heilmitteln zählen u.a. Dinkel, verschiedene Obstsorten, Kräuter, Elixiere, Salben und die positiven Wirkungen von Edelsteinen. Gerade bei hartnäckigen chronischen Krankheiten kann die Hildegard-Medizin ihre segensreichen Wirkungen entfalten.
Allergietherapie
Die Vorteile der Naturheilkunde werden ganz besonders bei der Allergietherapie deutlich, da in der ganzheitlichen Medizin nicht das Symptom kuriert wird, sondern den Ursachen sorgfältig nachgegangen wird.
Schröpfen
Zu den weiteren altbewährten Methoden der Naturheilpraxis zählt das Schröpfen.
Es handelt sich dabei um ein entgiftendes und schonendes Ausleitungsverfahren, welches im Gegensatz zur Blutegeltherapie, keine Begleitrisiken bei immunschwächeren Menschen hat. Diese Heilweise ist so alt wie die Medizin selbst, sie wurde schon von Hippokrates angewandt. Bei einzugrenzendem Indikationsgebiet stellt sie auch heute mit ihrer hervorragenden Wirkung eine Methode ohne Nebenwirkungen dar. Die Selbstreinigung des Blutes wird gefördert und der Kreislauf, sowie die allgemeine Leistungsfähigkeit wird aktiviert. Bei endogenen Giftstoffen zeigt die Blutentziehung ihre vorteilhaften Wirkungen. Gleiches gilt für entzündliche Vorgänge, Hautkrankheiten, Bluthochdruck und anderen Erkrankungen, wo sich diese Behandlung gerade mit zunehmendem Lebensalter als erfolgreich erweist.
Als weitere Methoden der Naturheilverfahren sind die aktive Immunisierung und die mikrobiologische Therapie, welche durch kleinste, reine Dosen patienteneigener Bakterienstämme Infektionen ohne Antibiotika zu heilen versuchen und die gesunde Mikroflora von Darm, Schleimhäuten und Haut unterstützen.
Eines der ältesten Naturheilverfahren stellt die Phytotherapie, die Pflanzenheilkunde dar. Zunehmend werden die Wirkstoffe verschiedener Pflanzenarten wissenschaftlich erforscht. Dabei wird überwiegend die gesamte Pflanze mit ihrer spezifischen Mischung von Inhaltsstoffen verwendet. Denn die Gesamtheit ist nach einem klassischen Lehrsatz der Naturheilkunde auch hier mehr als die einzelnen Teile. Für Naturheilmittel wurden Positivlisten mit empfehlenswerten Präparaten der Naturheilkunde im Jahre 200 von Ellis Huber, dem früheren Präsidenten der Berliner Ärztekammer, sowie vom Komitee Forschung Naturmedizin vorgestellt. Diese aktuellen Listen beziehen sich vor allem auf die Gebrauchssicherheit der Präparate.
Rückblick und Ausblick Was die naturheilkundlichen Konzepte betrifft, gilt es zurückzuschauen in die Medizingeschichte, die bis vor 200 Jahren fast eine reine Geschichte der Naturheilkunde war. Von Goethe stammt der Satz "Auf ein Morgen zu, können wir nur von einem Gestern aus gehen." Und die medizinischen Methoden wurden fast immer als Naturheilverfahren definiert " die zur Vorbeugung, Heilung oder Linderung von Krankheiten dienen. Sie sprechen die Selbstheilungskräfte des Organismus an und sind zumindest - teilweise natürlichen Ursprungs" (Praxisleitfaden Naturheilkunde 1994.)
Es gilt sowohl an das selbstregulative Potential des Kranken zu appellieren, als auch die immensen Vorteile der Primärprävention als den eigentlichen tieferen Sinn der Naturheilverfahren nachzudenken.
Gesund alt zu werden bedeutet, in Selbstverantwortung eine pro-aktive Gesundheitsgestaltung für eine Revitalisierung einzunehmen, im Gegensatz zu einer reaktiven Versorgungserwartung im Krankheitsfall. In der Naturheilpraxis kann in der modernen Diagnostik und Therapie die Gesundheit aktiv gefördert werden.
Selbst die Pharmakonzerne haben die Bedeutung der Naturheilmittel erkannt, worauf bereits rund ein Drittel der Umsätze entfallen.
Dies verdeutlicht, dass der Wachstumsmarkt Gesundheit 2001 eine Domäne der Naturheilverfahren ist, weil diese schon jahrtausendlang auf die Bekämpfung der Todesursachen Nr. 1 den ernährungsbedingten Krankheiten ausgerichtet war.
Die Fortschrittsfalle mit immer härteren und nebenwirkungsreicheren Präparaten am Ende der Fahnenstange (Multimorbidität) anzukommen. Die Folgen von Überdosierung und die Zunahme von Allergien durch Verunreinigung solcherlei "Medikamenten" ist nicht zu übersehen, ohne die Bedeutung der Allopathie schmälern zu wollen.
Von Bedeutung sind qualifizierte ärztliche Gespräche in der Naturheilpraxis, damit die Revitalisierung und Heilung des reaktionsfähigen Organismus (wie schon immer in der Naturheilkunde) erreicht wird.
Bei vielen als "hoffnungslos" bezeichneten chronischen Kranken eröffnen sich durch die Naturheilkunde neue Genesungschancen. Viele "unheilbar Kranke“ wurden durch die Naturheilverfahren geheilt und langjährige Leidenswege beendet. Durch die Anwendung geeigneter Methoden kann eine "Patientenkarriere" oft vermieden werden. Es bedarf eines erfahrenen Therapeuten, damit die für den Patienten im Einzelfall speziell zugeschnittene Therapie gezielt gefunden wird.
Die Naturheilpraxis strebt bei der Behandlung die aktive Mitarbeit des Patienten an, damit Heilungsblockaden beseitigt und die Selbstheilungskräfte in der gesundheitlichen Aufklärung mobilisiert werden können. |